Tauben

  • weltweit gibt es 351 Arten von Tauben in 49 Gattungen
  • 117 Arten hiervon sind bedroht
  • Tauben sind, mit Ausnahme der Polargebiete, weltweit verbreitet
  • die Höchste Artenvielfalt existiert in Südostasien bzw. Süd- und Mittelamerika
  • sie variieren von Sperlings- bis Rabengröße (39 bis 2.000 g)
  • sie haben einen schmalen, kurzen Schnabel, kurzen Kopf, gedrungenen Körper, kurze Beine, Wachshaut und die Augenringe sind federlos
  • sie haben drei nach vorne und eine nach hinten gerichtete Zehen
  • sie haben keinen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, dh. dass die Geschlechter keine eigenen ausgeprägten Geschlechtsmerkmale besitzen und oft äußerlich nicht erkennbar ist, ob es sich um ein Weibchen oder ein Männchen handelt
  • sie leben monogan
Fortpflanzung
  • die Männchen haben ein ausgeprägtes Balzverhalten
  • Tauben bauen oft ein „liderliches Nest“
  • sie legen 1 bis 2 (selten 3) Eier
  • beide Geschlechter brüten
  • sie bilden Kropfmilch
  • die Brutzeit beträgt 11 bis 16 Tage bei kleinen, 17 bis 30 Tage bei großen Arten
  • die Küken machen eine schnelle Entwicklung durch, kleine Arten sind mit 3 Wochen flügge, große mit 4 bis 5 Wochen

Einheimische Taubenarten

Die Felsentaube

Die Felsentaube ist die alleinige Stammform der Haustaube und damit auch der Stadttaube. Diese domestizierte und verwilderte Form zählt zu den erfolgreichsten Vögeln der Erde und ist mittlerweile, von der Arktis und Antarktis abgesehen, weltweit verbreitet. Die Wildform ist dagegen auf Eurasien und Afrika beschränkt.

Merkmale

Die Felsentaube ist deutlich kleiner als die Ringeltaube, aber größer als die Türkentaube.  

Feinde

In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes ist die Felsentaube bzw. Straßentaube eine Hauptbeute des Wanderfalken. 

Gefährdungssituation

Die Felsentaube wird von der Weltnaturschutzunion IUCN in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt. 

Die Ringeltaube

Ringeltaube brütend

Die Ringeltaube ist die größte Taubenart Mitteleuropas. Auffällige Merkmale sind die weißen Flügelbänder und der weiße Halsstreifen. Ringeltauben, bewohnen bewaldete Landschaften aller Art, aber auch Alleen, Parks und Friedhöfe, heute auch bis in die Zentren der Städte. Die Ernährung erfolgt wie bei den meisten Arten der Familie fast ausschließlich pflanzlich. Die Art ist trotz der starken Bejagung in vielen Ländern ein häufiger Brutvogel und in Europa nicht gefährdet.

Beschreibung

Ringeltauben sind große, kräftig gebaute Tauben mit relativ langem Schwanz und recht kleinem Kopf. 

Verbreitung und Lebensraum

Ringeltauben bewohnen bewaldete Landschaften aller Art. Die Brutplätze dürfen nicht zu weit von geeigneten Nahrungshabitaten entfernt sein; das sind in Europa heute vor allem landwirtschaftlich genutzte Bereiche wie Grünland und Äcker, aber auch die zur Brut genutzten Wälder und Grünanlagen. Die Nahrungsflüge können sich je nach Angebot auf die Nestumgebung beschränken, aber auch regelmäßig über Entfernungen von 10 bis 15 Kilometer erfolgen.

Ernährung

Die Nahrung ist wie bei den meisten Arten der Familie fast ausschließlich pflanzlich. Hauptnahrung sind in Europa Eicheln, Bucheckern und Getreidesamen. Daneben wird jedoch je nach dem lokalen Angebot ein sehr breites Spektrum weiterer Vegetabilien gefressen, dazu zählen grüne Blätter, Knospen und Blüten verschiedener Pflanzen, Beeren und andere Früchte, Wurzelknollen (z. B. Kartoffeln oder Rüben), sowie Eichengallen. 

Fortpflanzung

Die Tiere leben in einer monogamen Ehe.

Das Nest wird überwiegend auf Bäumen oder großen Sträuchern gebaut, wobei vor allem der Sichtschutz wichtig ist. 

Das Gelege besteht fast ausschließlich aus 2 Eiern, nur selten aus nur einem Ei. Die Eier sind weiß, matt glänzend und annähernd elliptisch. 

Die Nestlinge werden wie bei allen Tauben mit Kropfmilch gefüttert.

Der überwiegende Teil der Gelegeverluste wird von Rabenvögeln und den Menschen verursacht. 

Natürliche Feinde

Hauptfeind adulter Ringeltauben ist in West- und Mitteleuropa der Habicht, in Südeuropa auch der Habichtsadler. Unter den mitteleuropäischen Eulen frisst vor allem der Uhu regelmäßig Ringeltauben, auch beim Uhu kann die Art regional zu den Hauptbeutetieren gehören. 

Bejagung

Die Art wird in vielen Ländern intensiv bejagt, nach Schätzungen wurden in Europa in den 1970er Jahren jährlich mindestens 4 bis 5 Mio. Ringeltauben erlegt. In Deutschland schwankte der jährliche Abschuss zwischen 1990 und 2005 zwischen 655.000 und 917.000 Tauben. Die Meldung der Abschüsse erfolgt nicht in allen Bundesländern artspezifisch, daher können teilweise auch mögliche unabsichtliche Fehlabschüsse von Hohltauben, Türkentauben und Turteltauben eingeschlossen sein, wobei die Türkentauben ebenfalls dem Jagdrecht unterliegen. Der allergrößte Teil der geschossenen Tauben sind jedoch Ringeltauben. 

Bestand und Gefährdung

Die Art zählt zu den häufigsten Brutvögeln Europas. BirdLife International schätzt den Weltbestand grob auf 30 bis 70 Mio. Tiere und den europäischen Bestand auf 18 bis 34 Mio. Individuen. Der Bestand in Deutschland wurde beispielsweise für 2008 auf 2,2 bis 2,6 Mio. Paare geschätzt und die Art galt damit in diesem Jahr als elfthäufigste Brutvogelart insgesamt und als häufigste Nichtsingvogelart.

Die Türkentaube

Die Türkentaube hat ihren Namen deshalb, weil die Art erst seit den 1930er Jahren aus dem Südosten nach Mittel- und inzwischen auch nach Nord- und Westeuropa eingewandert ist. 

Merkmale

Die Türkentaube ist etwa so groß wie die Stadttaube. Sie ist jedoch leichter und längerschwänzig und wirkt dadurch schlanker und zierlicher. Das Gefieder ist einheitlich hell-beigebraun, die Flügelspitzen sind etwas dunkler, Kopf und Unterseite etwas heller. Auffälligstes Merkmal ist ein tiefschwarzer Nackenstreifen im Adultgefieder, der zusätzlich durch einen schmalen weißen Streifen umrahmt ist. Die Geschlechter gleichen sich. 

Lebensraum

Türkentauben wohnen abseits von menschlichen Siedlungen, kommen jedoch in den letzten Jahren auch vermehrt in die Städte. 

Ernährung

Türkentauben ernähren sich von Samen, Getreide und Früchten. 

Brutpflege

Ihr Nest ist wie das der meisten Tauben nur dürftig, besteht nur aus wenigen Halmen und Zweigen und wird meist hoch oben in Bäumen gebaut. Es werden 1–2 Eier ausgebrütet. Nach 13 oder 14 Tagen schlüpfen die Jungen. Türkentauben brüten oft mehrmals hintereinander, da sie oft hohe Verlustraten durch Prädatoren (Beutegreifer) (Katzen, Elstern, Eichelhäher oder Eichhörnchen) haben. Jungvögeln fehlt der schwarze Nackenring. 

Bejagung und Bestand

Die Art wird in vielen Ländern bejagt. In Deutschland zählt die Türkentaube neben der Ringeltaube zu den beiden jagdbaren Taubenarten und darf vom 1. November bis zum 20. Februar geschossen werden. 

Die Turteltaube

Die Turteltaube ist eine Vogelart aus der Familie der Tauben. Der Bestandsrückgang wird auf veränderte landwirtschaftliche Anbaumethoden und den Rückgang der Erdraucharten zurückgeführt, die bei der Ernährung der Turteltauben eine große Rolle spielen. Zu den für den Bestandsrückgang verantwortlichen Faktoren gehört aber auch der Abschuss der Tauben insbesondere im Mittelmeerraum während der Zugzeiten. 

Die Turteltaube ist in Deutschland „Vogel des Jahres“ 2020. 

Turteltauben gelten als Symbol des Glücks und der Liebe. Umgangssprachlich nennt man zwei frisch verliebte Menschen „Turteltauben“. 

Beschreibung

Die Oberseite der Turteltaube ist rostbraun. Die Kehle und die Oberbrust sind weinrötlich. Die Schultern und Teile des Flügels sind rostbraun und weisen dunkle Flecken auf. Der Rücken ist blaugrau und wird zum Bürzel hin bräunlicher. Die erwachsenen Vögel weisen an den Halsseiten mehrere schmale, schwarze Querbinden auf weißem Grund auf. Der Schwanz besteht aus zwölf blauschwarzen Federn, die an den Enden jeweils weiß sind. Die beiden äußeren Schwanzfedern haben außerdem weiße Außenfahnen. Der Bauch und die Unterschwanzdecken sind hell. 

Jungvögel unterscheiden sich von den älteren Vögeln durch ein Gefieder, das an Kopf, Rücken und auf den Flügeln brauner ist. Die für die adulten Vögel charakteristischen Halsquerbinden entwickeln sich erst nach einigen Monaten. 

Ihr Ruf klingt in etwa wie „turr turr“. 

Verbreitung und Lebensraum

Turteltauben sind nur in den warmen Tiefebenen verbreitet und sowohl in waldreichen Regionen sowie den Mittel- und Hochgebirgen selten. Turteltauben erschließen sich zunehmend urbane Lebensräume und können auch in städtischen Grünanlagen siedeln. 

Wanderungen

Turteltauben sind ausgeprägte Langstreckenzieher. In Mitteleuropa sind sie nur im Zeitraum Mai bis September zu beobachten. Diese finden sich im Mittelmeerraum und in Afrika südlich der Sahara. Auf nahezu allen Routen, die die Turteltauben zur Überquerung des Mittelmeers nutzen, werden sie auch intensiv bejagt. 

Im Frühjahr kehren sie verhältnismäßig spät wieder nach Mitteleuropa zurück. Die mittlere Rückkehrzeit der Turteltaube liegt im Zeitraum von Anfang bis Mitte Mai. Der Rückzug kann sich jedoch erheblich verzögern, und ziehende Turteltauben können am Mittelmeer bis Anfang Juni beobachtet werden. 

Ernährung

Sie ernährt sich von Samen und Pflanzenteilen. 

Fortpflanzung

Rückkehrende Turteltauben schreiten nicht sofort zur Brut, sondern ziehen einzeln und als Paar über mehrere Wochen umher. Sie halten sich dann häufig auch über mehrere Tage in Regionen auf, die nicht zu ihrem Brutareal zählen. Selbst eine Balz ist kein Indiz dafür, dass das Paar an diesem Ort auch zur Brut schreiten wird. 

Die Brutzeit erstreckt sich von Mai bis August. Turteltauben ziehen in der Regel nur eine Brut pro Jahr groß. Das Nest ist verhältnismäßig klein und wird von beiden Elternvögeln aus dünnen Ästen und Zweigen in Büschen und Bäumen errichtet. 

Bejagung und Bestand

Die Art wird in vielen Ländern bejagt. In der Schweiz zählt die Turteltaube nicht zu den jagdbaren Arten; auch in Deutschland steht sie unter Schutz. Sie gehört in Deutschland zu den bedrohten Vogelarten, ihr Bestand ging in den letzten zwölf Jahren um über 40 Prozent zurück. Seit 2015 steht sie auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Vogelarten. Der Bestand für die Schweiz wird mit 600 bis 2000 Brutpaaren angegeben. 

Im Jahr 2008 wurde festgestellt, dass der Bestand der Art innerhalb von zehn Jahren landesweit um circa 30 Prozent geschrumpft ist.